Texte

Auf den ersten Blick erscheinen die Bilder von Petra Kost oft abstrakt, doch wenn wir uns auf ein Werk einlassen, uns Zeit nehmen für die Farben, Formen und die weichen Übergängen, entsteht schon durch das Spiel von warmen und kalten Tönen (ein Rot im zurücktretenden Blau) Räumlichkeit - man mag eine Landschaft erkennen, Wasser, einen Horizont. Gräser im Türkis des Wassers, darauf gesetzt ein weißer Klecks und darin eine zusammengekauerte Figur, hängengeblieben in dem Fleck, wie ein frisch geborenes Küken. Gelegentlich erscheinen Raster, etwa Obstnetze vom Fischmarkt oder andere Geflechte, die die Farbfläche mit anderen Tönen überlagern.

Für Petra Kost ist die Leinwand ein Versuchslabor, auf dem sich experimentieren lässt, zum Beispiel durch die Kombination von Acryl- und Ölfarben:
„Experimentieren, sich mitreißen lassen, gegen den Strich bürsten.“
„Malen ist für mich Dialog und Meditation. Das Bild mein Gegenüber. Ich suche nach dem Wesen der Szene, nach der Essenz des Moments.“
„Der Beginn ist die Entscheidung für die richtige Technik, eine erste Idee für die Komposition des Bildaufbaus. Dann tauche ich ein in den Malprozess: schaffe, zerstöre, ändere die Richtung.
Mal zeigt mir das Bild den nächsten Schritt, mal setze ich bewusst ein neues Element, eine neue Form oder Farbe. Die Bearbeitung endet, wenn das  Bild die richtige Spannung, Balance und Aussage hat. Das Bild muss eine eigene Seele haben, Geheimnisse, Geschichten erzählen. Es muss dem Betrachter Raum  geben, seine eigenen Eindrücke immer wieder neu zu erleben.“

Und so ist es auch, wenn Petra Kost bei Nacht zum Fotoapparat greift und dabei sprühende Lichtreflexe und Spiegelungen erwischt, die den realen Ort in eine kosmische Erscheinung verwandeln.

Thomas Sello (Hamburger Kunsthalle)


Petra Kost, in Hamburg geboren und seit vielen Jahren künstlerisch tätig, wurde 2007 Partnerin im Galerie-Atelier Kunstwerk am Fischmarkt. Die nationalen und internationalen Ausstellungen, in denen sie sich bislang präsentiert hat, zeugen von einer großen Bandbreite von Motiven, Techniken und Darstellungsformen.

Was die Arbeiten von Petra Kost jedoch vor allem auszeichnet, ist eine immer wieder für Überraschung sorgende Experimentierfreude, ein leidenschaftlicher Tanz auf der Grenze zwischen Figürlichem und Abstraktem, ein mutiges Ausloten neuer Facetten ihrer breiten künstlerischen Möglichkeiten.
Sie arbeitet gerne in Projekten und Serien. Sie wechselt von der Arbeit mit Acryl, Aquarell und Tusche auf Papier nun im Schwerpunkt zu Öl und Acryl auf Leinwand. Der wärmeren Materialität von Pinselstrich und Farbauftrag stellt Petra Kost teils die kühle und makellose Ästhetik der Photographie gegenüber.
Wiederkehrendes Thema ist in ihrer Arbeit die Beschäftigung mit Wasser: physisch als Meer und (Industrie)Hafen – metaphysisch als Symbol für Emotion, (Un)tiefe und ständige Wandlung.

Petra Kosts Bilder drängen sich nicht auf, sie geben Raum: Atmosphären, scheinbar Fassbares, Auf- und Losgelöstes klingt an und zieht unmerklich in den Bann. Die unbegrenzte Phantasie des Betrachters ist gefordert, das Gesehene und das Eigene, vielleicht noch Unbewusste, zu einem Ganzen zu formen und ein eigenes Verständnis des Bildes zu entwickeln.

Dr. Barbara Müller-Wesemann (Universität Hamburg)